AKTUELL

Aus der Pressemitteilung DBK:

Weiterentwicklung des Verfahrens zur Anerkennung des Leids

Auf Grundlage der Erkenntnisse der Studie „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ (MHG-Studie) hat die DBK im Herbst 2018 eine Reihe von Maßnahmen beschlossen, die in direktem Bezug zu den Empfehlungen der MHG-Studie stehen. Dazu gehört auch die Weiterentwicklung des Verfahrens zur Anerkennung des Leids.

Besondere Bedeutung kommt in diesem weiterentwickelten Verfahren der Transparenz und Unabhängigkeit zu. Zukünftig werden alle Leistungen in Anerkennung des Leids durch ein zentrales und unabhängig besetztes Gremium festgelegt. Diesem unabhängigen Entscheidungsgremium werden sieben Frauen und Männer angehören. Es wird interdisziplinär mit Fachleuten aus Medizin, Recht, Psychologie und Pädagogik besetzt. Die Mitglieder dürfen in keinem Anstellungsverhältnis zu einer (Erz-)Diözese oder einer anderen kirchlichen Einrichtung stehen. Sie werden unabhängig und weisungsfrei arbeiten. Zudem wird das Entscheidungsgremium nicht nur die Leistungshöhe festlegen, sondern auch die Auszahlung der Summen anweisen. Auf diesem Wege soll das Verfahren beschleunigt werden, was viele Betroffene angemahnt haben. Die Mitglieder des Gremiums werden durch einen Ausschuss ausgewählt, dem mehrheitlich nichtkirchliche Vertreter angehören. So soll eine Unabhängigkeit sichergestellt werden. Hierbei wird die Beteiligung von Betroffenen gewährleistet. Die Antragsstellung wird weiterhin vor Ort erfolgen. Hierzu stehen vor allem die unabhängigen Ansprechpersonen in den Diözesen zur Verfügung.

Die Leistungshöhe soll sich zukünftig an Urteilen staatlicher Gerichte zu Schmerzensgeldern in vergleichbaren Fällen orientieren. Diese Urteile divergieren allerdings stark. Die Bischöfe haben sich bewusst dafür entschieden, als Referenzpunkt den oberen Bereich von Leistungen in vergleichbaren Fällen anzusetzen. Daraus ergibt sich ein Leistungsrahmen von bis zu 50.000 Euro. Es wird sich dabei um Einmalzahlungen handeln, die für jeden Betroffenen, der einen Antrag auf Anerkennung des Leids stellt, individuell durch das o. g. Gremium festgelegt wird. Zusätzlich können Betroffene, wie auch jetzt schon, Kosten für Therapie- oder Paarberatung erstattet bekommen. Es wird zukünftig in allen 27  (Erz-)Diözesen einen einheitlichen Leistungsrahmen geben. Lösungen, die in den vergangenen Jahren bereits gefunden wurden und zu einer Befriedung zwischen Betroffenen und Diözesen geführt haben, sollen fortbestehen.

Das weiterentwickelte Verfahren wird zum 1. Januar 2021 starten. Betroffene können ab diesem Zeitpunkt einen Antrag bei der zuständigen (Erz-)Diözese stellen. Auch Personen, die bereits einen Antrag gestellt und Leistungen erhalten haben, können am erneuerten Verfahren teilnehmen. Im Regelfall wird es für diese Personen ein verkürztes Antragsverfahren geben.

Weitere Informationen zu häufig gestellten Fragen finden Sie hier.


 

Hinschauen und Hinhören in Corona-Zeiten

Während der gegenwärtig notwendigen Ausgehbeschränkungen sind Kinder und Jugendliche, die von häuslicher Gewalt und sexuellem Missbrauch betroffen sind, noch gefährdeter.

Hinschauen und Hinhören ist in diesen Zeiten besonders notwendig.

Möglicherweise schicken die Betroffenen bei kurzen Begegnungen oder auf digitalen Wegen Signale, dass es ihnen nicht gut geht.
Bitte gehen Sie darauf ein und zeigen Sie, dass Sie trotz der räumlichen Distanz für das Kind/ den Jugendlichen da sind!

Zu diesem Thema hat das Institut für Prävention und Aufarbeitung sexualisierter Gewalt IPA  wichtige Informationen herausgegeben (siehe IPA Info).

Hilfe für Betroffene und Vertrauenspersonen per Telefon und im Internet:

  • Die digitale Kommunikation hilft derzeit, Schule und Arbeit aufrechtzuerhalten. Es gibt aber auch viel Leerlauf, den Kinder und Jugendliche z.B. bei Online-Spielen verbringen. Dort sind leider auch Pädokriminelle schon lange unterwegs. Die Täter*innen im Internet haben es momentan besonders leicht. In Chats und Foren erschleichen sie sich das Vertrauen der Kinder und Jugendlichen. Fast jeder 2. Jugendliche wird im Internet „sexuell angemacht“.
    Informationen und hilfreiche Tipps zum Schutz der Minderjährigen finden Sie auf der Seite von Innocence-in-Danger e.V unter innocenceindanger
  • Personen mit sexuellen Phantasien gegenüber Kindern oder zu Gewalttaten neigende Personen, die nicht übergriffig werden wollen, können die Bundesweite kostenfreie Hotline der Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS-BW) e.V. nutzen:
    Bundesweite kostenfreie Hotline: 0800 70 222 40 (Mo.-Fr., jeweils 9.00-18.00 Uhr)                    bevor-was-passiert.de
  • Für alle möglichen Notlagen finden Eltern auf der Seite elternsein.info eine Übersicht an professionellen und ehrenamtlichen Beratungsmöglichkeiten per Telefon oder Online-Beratung in der Corona-Krise.
    Tipps für Eltern
    finden Sie auch unter:
    AGJ-Elternwissen Corona AGJ-Fachverband für Prävention und Rehabilitation in der Erzdiözese Freiburg e.V.:
    – Sondernewsletter der Kinderschutzzentren für Eltern und Fachleute
  • Selbstverständlich stehen auch die Krisendienste der Jugendämter und die Polizei (110) für Beratung und notfalls schnellen Schutz von Kindern und Jugendlichen zur Verfügung.