Aufarbeitung in Mecklenburg

Der sexuelle Missbrauch von Klerikern an Minderjährigen wurde im Zeitraum von 1945-2015 im Rahmen der MHG-Studie im Erzbistum Hamburg erfasst. Am 25.9.2018 wurden auf einer Pressekonferenz die Ergebnisse der Öffentlichkeit mitgeteilt. Die Zahlen in Mecklenburg waren höher als in Hamburg und in Schleswig-Holstein, in Neubrandenburg war die Pfarrei durch die gegen ihren früheren Pfarrer Timmerbeil erhobenen Vorwürfe besonders betroffen.

Gestützt auf die Resultate der MHG-Studie setzte Erzbischof Dr. Stefan Heße einen Beirat ein, der den sexuellen Missbrauch in Mecklenburg vertieft untersuchen sollte. Der Beirat gab sich eine Geschäftsordnung und setzte dort seine Unabhängigkeit von den Weisungen des Erzbischofs fest. In einem weiteren Schritt verfasste der Beirat eine Forschungsskizze mit dem Ziel, dass bei voller Akteneinsicht und Gesprächen mit den Betroffenen der sexuelle Missbrauch an Minderjährigen in der katholischen Kirche Mecklenburgs von 1946-1989, also unter den Bedingungen des DDR-Systems, aufgearbeitet und dokumentiert wird. Das Forschungskonsortium der Universität Ulm unter der Leitung von Frau Professorin Manuela Dudeck bekam nach Ausschreibung den Auftrag.

Am 4.11.2019 fand die Auftaktveranstaltung in Neubrandenburg statt. Das Forschungskonsortium und der Beirat stellten sich in Anwesenheit des Erzbischofs den Neubrandenburgern und der Öffentlichkeit vor und erläuterten Ziel und Fahrplan der auf zwei Jahre ausgerichteten Studie. Anschließend wurde ein anspruchsvolles Datenschutzkonzept ausgearbeitet. Parallel wurde deutlich, dass die Einbeziehung der Betroffenen nicht ausreicht, sondern auch der Kenntnisstand der ehemaligen Bistumsleitung in Gesprächen erfragt werden musste. Trotz der Corona-Pandemie ist das Forschungskonsortium im Norden unterwegs und führt die notwendigen Gespräche, um die Aufarbeitung wirkungsvoll zu ermöglichen. Frau Professorin Dudeck hofft, dass sich noch weitere von sexuellem Missbrauch in Mecklenburg betroffene Personen auf ein Gespräch einlassen, damit die Ergebnisse der Studie möglichst umfassend ausfallen. Betroffene sind eingeladen, einen Online-Fragebogen auszufüllen oder persönlich Kontakt zum Forschungsteam aufzunehmen:

Die Sichtung und Auswertung der Akten an den verschiedenen Standorten geht ebenfalls weiter, ein Zwischenergebnis wird im September 2021 erwartet.

Mitglieder des Forschungskonsortiums:

  • Professorin Dr. Manuela Dudeck, Professorin für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Ulm, Ärztliche Direktorin des Bezirkskrankenhauses in Günzburg
  • Dr. Judith Streb, Leiterin der Forschungsabteilung von Professor Dudeck
  • Laura Rinser M.A., wissenschaftliche Mitarbeiterin

Mitglieder des Beirats:

  • Schwester Andrea Walterbach, Generaloberin des Ordens vom heiligen Namen Mariens, Osnabrück
  • Dr. Georg Bergner, Dekan, Propst Schwerin
  • Frank Brand, Rechtsanwalt, Lübeck
  • Martin Colberg, Vorsitzender des Beirats, Diözesanarchivar, Hamburg
  • Anne Drescher, Landesbeauftragte Mecklenburg-Vorpommerns für Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Schwerin
  • Dr. Regina Jahns, Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen des Erzbistums Hamburg, Neubrandenburg
  • Gabriele Kohl, Vorsitzende Pfarrpastoralrat Neubrandenburg
  • Claudia Schophuis, Leiterin Katholisches Büro Mecklenburg-Vorpommern, Leiterin Erzbischöfliches Amt Schwerin
  • Professor Dr. Carsten Spitzer, Leitung der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin an der Uniklinik Rostock
  • Monika Stein, Leiterin Referat Prävention und Intervention des Erzbistums Hamburg, Hamburg
  • Ludger Wiemker, Justitiar Bistum Osnabrück

Kontaktdaten
Forschungsleiterin Professorin Dr. Manuela Dudeck
Telefon: 08221/9625851
E-Mail: manuela.dudeck@bkh-guenzburg.de

Vorsitzender des Beirats Martin Colberg
Telefon: 040/24877294
E-Mail: colberg@erzbistum-hamburg.de

Die Entwicklung des Forschungsprojekts wird laufend aktualisiert.