Was ist sexueller Missbrauch?

Definitionen und Begriffe

Sexueller Missbrauch ist ein Total-Angriff auf die Identität eines Opfers. Dabei geht es nicht um sexuelle Handlungen, sondern um die besondere Demütigung eines Menschen in ihrem/seinem intimsten Bereich.

Unter sexuellem Missbrauch ist jede sexuelle Handlung zu verstehen, die durch Erwachsene oder Jugendliche an, mit, oder/und vor einem Kind vorgenommen wird. Sexueller Missbrauch betrifft demnach alle Verhaltens- und Umgangsweisen mit sexuellem Bezug gegenüber Minderjährigen und erwachsenen Schutzbefohlenen, die mit vermeintlicher Einwilligung, ohne Einwilligung oder gegen den ausdrücklichen Willen der Schutzbefohlenen erfolgen. Bei sexuellem Missbrauch geht es stets um die Ausnutzung eines Machtgefälles aufgrund von Geschlecht, Alter, körperlicher Überlegenheit, Herkunft sowie sozialem Status. Der Täter bzw. die Täterin nutzt seine körperliche, psychische, kognitive und sprachliche Überlegenheit, um seine Bedürfnisse auf Kosten des Kindes zu befriedigen. Er reagiert dabei entweder mit Belohnung (emotionaler Zuneigung und/ oder Geschenken) und/oder mit Bestrafung (Androhung oder Einsatz von physischer und psychischer Gewalt) auf das jeweilige Verhalten der anderen Person zu reagieren. Dies umfasst alle Handlungen zur Vorbereitung, Durchführung und Geheimhaltung sexuellen Missbrauchs.“[1] 

In diesem Zusammenhang wird vielfach, insbesondere in der Präventionsarbeit, der Begriff sexualisierte Gewalt  benutzt. Diese ist keine gewalttätige Form der Sexualität sondern eine sexualisierte Form der Gewalt. Die Deutsche Bischofskonferenz beschreibt die sexualisierte Gewalt als (Sammel-)Begriff unter dem „alle sexuellen Handlungen zusammengefasst (werden), die gegen den Willen einer Person durchgeführt werden. Dazu zählen: alle Handlungen, die gem. dem 13. Abschnitt des Strafgesetzbuchs (gem. §§ 174 ff. StGB Sexueller Missbrauch etc.) strafbar sind, alle Handlungen, die unterhalb der Schwelle der Strafbarkeit liegen, aber die im pastoralen oder erzieherischen sowie im betreuenden oder pflegerischen Umgang mit Kindern und Jugendlichen eine Grenzüberschreitung darstellen.“[2]

[1] Bange, Dirk/Deegner, Günther: Sexueller Missbrauch an Kindern. Ausmaß, Hintergünde, Folgen. Weinhein:Beltz 1996, S. 105

[2] Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz 2011: Handreichung der Jugendkommission zur Prävention von sexualisierter Gewalt im Bereich Jugendpastoral, Bonn, S. 11ff

vgl. hierzu auch Mary Hallay-Witte, Bettina Janssen: Schweigebruch, Vom sexuellen Missbrauch zur institutionellen Prävention, Freiburg: Herder 2016, S. 35ff