Norddeutscher Betroffenenbeirat

Norddeutsche Bistümer starten Zusammenarbeit in der Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt

Öffentlicher Aufruf zur Mitwirkung in Kommission und Betroffenenbeirat im Januar 2021

Das Erzbistum Hamburg sowie die Bistümer Osnabrück und Hildesheim haben die Vorarbeiten zur Berufung einer gemeinsamen Kommission zur Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und zur Bildung eines Betroffenenbeirats abgeschlossen. Zur Mitwirkung in der Aufarbeitungskommission und im Betroffenenbeirat wird ab dem Januar 2021 in der Metropolie öffentlich aufgerufen.

Mitglieder der Kommission sollen Fachleute aus Wissenschaft, Fachpraxis, Justiz und öffentlicher Verwaltung sowie Mitarbeitende aus den Diözesen sein, die in der Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in Institutionen erfahren sind. Katholische Beschäftigte oder Angehörige eines diözesanen Laiengremiums müssen dabei in der Minderheit sein.

Insgesamt wird die Kommission neun Mitglieder umfassen, drei von ihnen werden aus dem Betroffenenbeirat entsendet und in der Kommission als Expertinnen oder Experten mitwirken. Die jeweiligen diözesanen Ansprechpersonen für Verdachtsfälle von sexualisierter Gewalt sowie die Präventions- bzw. Interventionsbeauftragten der Diözesen werden als ständige Gäste an den Sitzungen der Kommission teilnehmen.

Aufgaben der gemeinsamen Kommission werden die quantitative Erhebung von Fällen sexualisierter Gewalt in den drei beteiligten Diözesen, die Untersuchung des administrativen Umgangs mit Tätern und Betroffenen sowie die Identifikation von Strukturen sein, die sexualisierte Gewalt ermöglicht, erleichtert oder dessen Aufdeckung erschwert haben.

Darüber hinaus sollen die Ergebnisse von Aufarbeitungsprozessen in den einzelnen Diözesen, bereits bekannter überdiözesaner Studien und neuerer Forschung durch die gemeinsame Aufarbeitungskommission in der Metropolie qualitativ vergleichbar betrachtet werden. Ziel ist es, diese Erkenntnisse für die Aufgaben der Prävention und Intervention in den einzelnen Diözesen nutzbar zu machen.

Der Betroffenenbeirat wird aus sechs Personen gebildet und zum Themenschwerpunkt sexualisierte Gewalt als Expertengremium tätig sein. Als stimmberechtigte Mitglieder können sich Betroffene, Angehörige von Betroffenen oder Betreuerinnen und Betreuer von Betroffenen bewerben.

Die gemeinsame Aufarbeitungskommission und der Betroffenenbeirat auf Ebene der Metropolie sollen gewährleisten, dass die externe Expertise und die Beteiligung von Betroffenen in der unabhängigen Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in den drei beteiligten Diözesen jederzeit garantiert sind. Die angestrebte Berufung dieser Gremien basiert auf der von der Deutschen Bischofskonferenz verabschiedeten „Erklärung über verbindliche Kriterien und Standards für eine unabhängige Aufarbeitung in der katholischen Kirche vom 28.04.2020“.