FAQs zur Präventionsordnung

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Warum gibt es die Ordnung?

Zweck dieser Ordnung ist, eine rechtliche Grundlage für die Arbeit zur Prävention von sexuellem Missbrauch im Erzbistum Hamburg zu schaffen. Die Ordnung soll verbindliche Standards für die kirchliche Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Schutzbefohlenen setzen und auf diesem Wege ein Höchstmaß an Schutz vor sexuell intendierten Grenzverletzungen oder sexualisierter Gewalt gewährleisten.

An wen richtet sich die Ordnung?

Diese Ordnung findet Anwendung auf kirchliche Rechtsträger und ihre Dienststellen, Einrichtungen und sonstigen selbständig geführten Stellen, die dem Diözesanbischof unmittelbar zugeordnet sind, insbesondere das Erzbistum, die Kirchengemeinden, die katholischen Schulen sowie die sonstigen kirchlichen Rechtsträger in der Rechtsform der öffentlichen juristischen Personen des kanonischen Rechts.

Die Ordnung findet auch Anwendung auf alle sonstigen kirchlichen Rechtsträger und ihre Einrichtungen in Bezug auf ihre seelsorglichen, caritativen, liturgischen oder sonstigen pastoralen Tätigkeiten, Aufgaben oder Unternehmungen im Bereich der Erzbistums Hamburg. Dazu gehören insbesondere die kirchlichen Vereine, Verbände und Stiftungen.

Wer hat jeweils für die Umsetzung der Ordnung zu sorgen?

Für die Umsetzung der Ordnung ist der Träger der betreffenden Einrichtung zuständig, nicht die Leitung der Einrichtung. Denn grundsätzlich kann nur der Träger der Einrichtung rechtsverbindliche Anordnungen mit Wirkung für die Einrichtung und die dort tätigen Personen treffen.

Wer innerhalb des Trägers für die Umsetzung verantwortlich ist, beurteilt sich aufgrund kirchlichen Rechts (Kirchenvermögensveraltungsrecht, KVVG) oder aufgrund der Verfassung des Trägers. (z.B. Satzung, (Gesellschaftsvertrag)

Beachte: Für die Umsetzung der Ordnung kann bzw. sollte der verfassungsmäßige oder gesetzliche Vertreter des Trägers fachliche Hilfe in Anspruch nehmen

Was ist konkret zu tun?

Die Präventionsordnung gibt eine Reihe von Maßnahmen vor, die als einheitliche Präventionsstandards im Bistum eingeführt werden.

Alle kirchlichen Rechtsträger tragen Verantwortung dafür, dass nur Personen mit der Betreuung von Jugendlichen und Kindern betraut werden, die neben der fachlichen, auch über die persönliche Eignung verfügen. Dies wird überfolgende Maßnahmen der Personalauswahl, der Aus- und Fortbildung, sowie Beratungs- und Beschwerdewege sichergestellt.

Die Instruktion des Generalvikars stellt allgemeine Verhaltensregeln auf. Sie bieten Schutz und Handlungssicherheit für alle Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und allen Ehrenamtlichen in ihren Handlungsfeldern. Mit Blick auf die praktische Arbeit ist es wichtig, diese Regeln allen Verantwortlichen zur Kenntnis und in Umsetzung zu bringen

Die kirchlichen Rechtsträger (Kirchengemeinden, Verbände, etc.) sind verpflichtet, jedem/jeder Ehrenamtlichen der/die in der Kinder- und Jugendarbeit bzw. in der Arbeit mit erwachsenen Schutzbefohlenen eingesetzt ist oder zukünftig eingesetzt wird, die Selbstauskunftserklärung für ehrenamtlich tätige Personen unterschreiben zu lassen.

Die „Ergänzende Selbstauskunftserklärung“ ergänzt das bereits von Priestern, Diakonen und allen hauptamtlichen Mitarbeitern abgegebene erweiterte polizeiliche Führungszeugnis. Da das Führungszeugnis evtl. nicht alle stattgefundenen Strafbestände aufführt, füllt die erweiterte Selbstauskunftserklärung diese Lücke. Die ergänzende Selbstauskunftserklärung wird im Rahmen der Schulungen unterschrieben. Somit werden von hauptamtlich, und ehrenamtlich Tätigen die gleichen Informationen eingeholt.

Die Selbstverpflichtungserklärung richtet sich auf zukünftige Verhaltensweisen im Umgang mit Kindern, Jugendlichen und erwachsenen Schutzbefohlenen. Alle hauptamtlich und ehrenamtlich tätigen Personen – in Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Schutzbefohlenen – werden diese am Ende einer Schulung unterschreiben.

Die Prävention von sexuellem Missbrauch wird zum integralen Bestandteil der Aus- und Fortbildung aller Mitarbeiter/ -innen und der ehrenamtlich im kinder- und jugendnahen Bereich Tätigen.

Für die bereits beschäftigten Mitarbeiter/ -innen finden verpflichtende Schulungen statt. Darin werden Kenntnisse vermittelt über Täterstrategien, Opferverhalten, Konfliktverhalten etc.

Welche Aufgaben hat die Beauftragte für Prävention?

» Vernetzung von Präventionsarbeit innerhalb und außerhalb der Diözese
» Beratung bei der Erstellung von Schutzkonzepten
» Organisation und Durchführung von Qualifizierungsmaßnahmen zur Prävention
» Fachberatung bei der Planung und Durchführung von Präventionsprojekten
» Vermittlung von Fachreferenten
» Beratung von Qualifizierungsseinrichtungen
» Weiterentwicklung verbindlicher Qualitätsstandards im Präventionsbereich
» Erstellung von Informationen über Prävention und Präventionsprojekte
» Unterstützung wissenschaftlicher Aufarbeitungen im Bereich sexuelle Gewalt sowie Prävention
» Öffentlichkeitsarbeit in Zusammenarbeit mit der Pressestelle des Erzbistums Hamburg

Die Präventionsbeauftragte ist zum gegenseitigen Austausch und zur Abstimmung mit den Präventionsbeauftragten anderer (Erz-)Bistümer verpflichtet. Er wirkt bei der Entwicklung einheitlicher Präventionsstandards mit.

Der Präventionsbeauftragte berät die Koordinierungsstelle und die von dieser Ordnung erfassten kirchlichen Rechtsträger.

Im Erzbistum Hamburg sind die Aufgaben der Koordinationsstelle der Fachstelle Kinder- und Jugendschutz zugeordnet.

Welchen Zweck sollen die Schulungen und Aus- bzw. Fortbildungen haben?

Die Schulungen und Aus- und Fortbildungen haben den Zweck, Verantwortliche im Bereich der Arbeit mit Kindern/Jugendlichen und Schutzbefohlenen mit der Prävention von sexuellem Missbrauch vertraut zu machen. Die Verantwortlichen sollen dadurch in die Lage versetzt werden, die Präventionsarbeit im Sinne der Präventionsordnung mit zu gestalten. Außerdem sollen Personen in die Lage versetzt werden, ihr auf diese Weise erlangtes Wissen an Dritte, insbesondere an weitere in der Einrichtung tätige Personen, weiterzugeben. (Multiplikatorenfunktion)

Welche Personen sind zu schulen?

Alle Personen, die bei einem kirchlichen Rechtsträger Verantwortung im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit bzw. in der Arbeit mit Schutzbefohlenen tragen, sind zu Fragen der Prävention von sexuellem Missbrauch zu schulen oder aus- bzw. fortzubilden

Was sind für Präventionsfragen geschulte Fachkräfte i.S.v. § 7 (1) der Ordnung?

Jeder kirchliche Träger bzw. jeder Zusammenschluss mehrerer Träger soll über eine Fachkraft verfügen, die innerhalb der Einrichtung (z.B. im Dekanat oder im pastoralen Raum) für die Präventionsarbeit im Sinne der Präventionsordnung verantwortlich ist. Sie hat insbesondere in Absprache mit den jeweiligen kirchlichen Rechtsträgern Maßnahmen der Information und der Sensibilisierung rund um das Thema Prävention von sexuellem Missbrauch durchzuführen, Kindern und Jugendlichen sowie in der Einrichtung eingesetzten Personen Unterstützung zu geben.

Wer fällt in den Kreis der „erwachsenen Schutzbefohlenen“?

Erwachsene Schutzbefohlene sind Personen, gegenüber denen Mitarbeitende oder Haupt- und Nebenamtliche eine besondere Sorgepflicht haben, weil sie ihrer Fürsorge oder Obhut unterstehen. Personen gelten ebenso als schutz- und hilfebedürftig, wenn sie sich z.B. in Einrichtungen der Behindertenhilfe und Psychiatrie oder in Pflege- oder Altenheimen befinden. Gleiches gilt, wenn es sich um Beratungs-, Behandlungs- oder Betreuungsverhältnisse gegenüber Menschen mit geistiger oder psychischer Behinderung handelt.

Hierzu werden im zweiten Halbjahr 2014 Qualifizierungsmaßnahmen angeboten.